Bremerhaven ist im Umbruch

Posted on Mai 19, 2007
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Carsten vom Stadt Bremerhaven Blog macht micht beim Stöbern auf einen Artikel der Berliner Zeitung aufmerksam, der Online eingesehen werden kann. Der heute erschienene Zeitungsartikel von Wolfgan Kohrt bringt die Sache auf den Punkt.

In Bremerhaven ist viel verloren gegangen in den letzten Jahrzehnten. Menschen rutschen ab - und machen aus einer Wahl ein Protestzeichen.

Wie Carsten schon feststellt, ist der Ideenreichtum in Bremerhaven definitiv gegeben. Denn Projekte rund um den Neuen Hafen mit einem Hotel der Extraklasse inkl. angeschlossenem Einkaufs- und Erlebniszentrum sollen Publikum generieren. Der Hafenumschlag im Norden mit dem Containerterminal 4 (CT4) schafft Werte und bringt Potenzial in die Stadt.

Doch es gibt auch andere Fakten: Zehntausend Arbeitslose, darunter viele seit langer Zeit ohne Job, ergeben eine Quote von 19 Prozent. Für Sozialleistungen geht ein Fünftel des Haushalts drauf. In den letzten zehn Jahren schrumpfte die Stadt von 128 000 auf 116 000 Einwohner. 3 000 Wohnungen stehen leer, die Immobilienpreise sind am Boden und viele Leute fragen sich, was werden soll. “Mit der Werftenkrise ab Ende der siebziger Jahre haben viele Menschen ihre Arbeit verloren”, sagt Schulz.

Während des Lesens, habe ich mich mehrmals bei einem zustimmenden Kopfnicken ertappt, denn die Tatsachen lassen sich einfach nicht verschweigen:

Es ist wie in vielen ostdeutschen Städten. Sie sind schön umgebaut und angetüncht worden, aber lebendig sind sie zu bestimmten Zeiten ebenso wenig wie Bremerhaven an der Nordsee. Die jungen Leute gehen weg. In der Fußgängerzone gehen nach sieben Uhr abends keine Fußgänger mehr. Es ist Mai, es ist lange hell, aber die Küchen der Restaurants schließen am Abend noch ein wenig früher als die Restaurants selbst. Es gibt zu viel Menschen mit zu wenig Geld in der Tasche.

Als gebürtiger Ostdeutscher und wegen dem Studium zugezogener Bremerhavener kenne ich diese Situation zum einen aus der Heimat und zum anderen  aus dem Alltag in der norddeutschen Stadt. Im Artikel der Berliner Zeitung wird diese Stimmung in der kürzlichen Wahl (ich berichtete) manifestiert und trägt den Unmut und die Resignation der Bremerhavener Bevölkerung zur Schau. 51,5% Wahlbeteiligung und herbe Verluste der langjährig regierenden Parteien sprechen ein eindeutiges Wort.

Ist Bremerhaven eurer Meinung nach wirklich auf einem so absteigenden Ast, oder wird hier Panikmache betrieben?

[via www.stadt-bremerhaven.de] [at Berliner Zeitung]

Comments

6 Responses to “Bremerhaven ist im Umbruch”

  1. caschy on Mai 19th, 2007 5:26 17

    Solange man Arbeit hat, wird man wohl “Panikmache” sagen. Ich fang langsam an, mich hier wohlzufühlen.

    Datt wird - es entwickelt sich langsam.

  2. Elle on Mai 21st, 2007 10:12 10

    Auf dem absteigendem Ast wäre die Stadt, wenn nicht die der ganze tolle Kram am Alten/Neuen Hafen, das AWI und vieles mehr gewuppt worden wären…

    So muß ich aber sagen, dass es mit Bremerhaven fühlbar nach oben geht…der Hafen brummt, die Touristen kommen, Wissenschaft entwickelt sich und es gibt auch keine Abwanderungen mehr…

  3. Martin on Mai 21st, 2007 10:56 10

    Diese Stadt hat zwei Seiten: Auf der einen die Entwicklung im Hafen, Tourismus in der Innenstadt, Wissenschaft mit Hochschule und AWI, Offshore-Windenergie im Fischereihafen, Kino und Kunsthalle, …
    Und auf der anderen Seite: Hohe Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, Depression und Perspektivlosigkeit, verfallende Häuser, … Drastisch gesprochen profitiert die eine Hälfte der Stadt (und das Umland) von der positiven Entwicklung, während die andere Hälfte aus ihren Quartieren nicht mehr herauskommt.

    Und eben diese Perspektivlosigkeit macht Bremerhaven mit vielen Städten/Landstrichen im Osten vergleichbar. Wenn du nicht weisst, was du noch hier sollst, aber auch nicht weg kannst. Oder du dir die Frage in der dritten Generation schon garnicht mehr stellst…

    Also reicht es wohl nicht, nur die schöne Mitte zu entwickeln und auf High-Tech-Arbeitsplätze in Hafen, Fisch, Offshore zu setzen.
    Das wird Politik in 30 Jahren gedankt - aber kein heute arbeitsloser 30jähriger dankt es Politik heute.

  4. Christopher on Mai 21st, 2007 11:03 11

    Also arbeitet die eine Hälfte in Berufen die sehr hohe Bildung voraussetzen und finanziert damit die andere Hälfte die zu Hause die Fenster mit Bettlaken gegen Sonnenlicht abschottet?

  5. Martin on Mai 25th, 2007 11:16 11

    Wenigstens hast du ans Ende des Satzes noch ein Fragezeichen gesetzt. Der entscheidende Punkt ist in der ganzen Diskussion nämlich nicht (!) wer wen finanziert. Der entscheidende Punkt ist, dass unsere Stadtgesellschaft offenbar in zwei Teile zerfällt. Die, die “teilhaben” und die, die nicht “teilhaben”. Und “Teilhabe” ist nicht nur eine monetäre Frage. Viele Studis leben beispielsweise ebenfalls auf Hartz-4-Niveau. Sie beteiligen sich aber an der Stadtgesellschaft. Und haben Teil am Leben in dieser Stadt, während andere außen vor sind.
    Also, fahr doch mal mit Elle nach Leherheide und guck dir mal eine der Großwohnanlagen von innen an. Und vielleicht klingelt ihr mal an einer Tür und schreibt anschließend einen Erfahrungsbericht. Dann sind viele Fragen beantwortet.

  6. Christopher on Mai 25th, 2007 3:43 15

    Guter Einwand mit den Studenten.
    Damit wäre bewiesen, dass Bildung notwendig ist, um mit wenig Geld trotzdem klar zu kommen.

    Auch wenn die Bildung nur der gesunde Menschenverstand und umsichtiges Handeln ist.

    Mit Elle will ich dann doch lieber nicht nach Leherheide zur Befragung fahren. Die Erfahrungsberichte von anderen Leuten reichen mir da eigentlich.

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