Schnorren in Hamburg
Posted on März 29, 2007
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Gestern stand ein spontaner Hamburgbesuch auf dem Plan. Mit Mausi bei allefeinstem Frühlingswetter durch die Fußgängerzonen rund um den Hamburger Hauptbahnhof flaniert und den ein oder anderen Euro in den Konsumtempeln verloren. Für einen kurzen Snack kehrte man im BurgerKing auf einen Cappuccino ein. Die Sonne kitzelte einen an der Nasenspitze und man konnte traumhaft auf der Außenterasse verweilen.
Und das war wohl der größte Fehler. Noch bevor der erste Cafe im Mund ist, wird man von einem Obdachlosen auf der Terrasse belagert und lautstark aufgefordert einen Euro zu geben. Leicht missmutiges Kopfschütteln lies ihn zum nächsten Tisch weiter ziehn.

Sobald der erste verschwunden war - kam auch schon ein Akkordeonspieler der uns mit seiner Hafenspilunkenmusik, seinem zahnlos grinsenden Mund und einem netten Körpergeruch unterhalten wollte. Dankend abgelehnt und weiter am Cappuccino geschlürft. Ein paar Gäste an den Nebentischen lassen sich erweichen und geben ein paar Münzen her.
Als nächstes kommt ein weiterer Vertreter dieser Zunft auf einem Rollstuhl angefahren und hält allen seine verkeimte Mütze vor die Nase und fordert zum Geldgeben auf. Traumhafter Nachmittag bis jetzt - habe gerade mal den halben Cafe leer. Mal sehn was noch kommt.
Nicht das ich hier falsch verstanden werde - ich habe schon Verständnis für schwierige Situationen, aber dieser Bettelwahnsinn geht mir zu weit.
Kaum ist also der Rollstuhlfahrer mittels schlürfender und funktionierender Beine weitergerollt kommt auch ein ca. 12 jähriges Mädchen in Trainingsanzug und verratztem Äußeren und hält mir einen Zettel vors Gesicht: “Bitte hilf mir - ich habe kein Geld für Essen.” Dabei brabbelt sie kaum verständlich etwas auf spanisch. Ich lehne dankend ab - ein Sitznachbar gibt 0,50€ und sie zieht weiter. Was der Sitznachbar nicht wissen kann - sie war bereits während wir unseren Sitzplatz suchten unterwegs und streift mich damit bereits zum Zweiten mal. Und sie kommt auch noch ein drittes Mal.
Dieses Elend schockiert mich hier definitiv - aber warum muss diese Betteloverkill in 20 Minuten kommen? Und warum wird so massiv in einem BurgerTempel gebettelt? Da frage ich mich doch ernsthaft ob hier wirklich Bedürftigkeit vorhanden ist, oder eine clevere Taktik um mehrere dutzend Euro der ständig wechselnden Kundschaft pro Stunde zu entlocken? Ich kanns nicht beantworten - habe nach 30 Minuten genervt die Szenerie verlassen.
Wie gings euch - auch schon solche dreisten Situationen erlebt?
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