Und Tschüss Trigami

Posted on Januar 27, 2008
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Irgendwann reicht es wirklich mal und dann klickt man völlig genervt auf den “Konto löschen” Button. Um diesen Schritt ein wenig genauer zu erklären muss ich leicht ausholen.

Trigami ist ne Firma, genau genommen ist es eine AG mit Sitz in Basel. Diese Schweizer haben folgendes Konzept entwickelt. Blogger (also ich) registrieren sich mit ihrem Blog bei Trigami und erklären in ihrem Profil den Wirkungskreis des Blogs. Trigami stuft darauf hin den Wert meines Blogs ein. Dann gibt es sogenannte “Kunden” bei Trigami - das sind Firmen, die auf PR und Werbung aus sind.

Also haben Blogger wie ich ein Zielpublikum, nämlich dich du Leser! Wenn jetzt Firma XY als Trigami-Kunde sagt: Pass mal auf, wir ham hier nen voll tolles Produkt und wollen es der passenden Zielgruppe vorstellen, dann bekommen alle dazu passenden Trigami-Blogger (kann man ja im Profil nachlesen) eine Email, sich für dieses Produkt zu bewerben. Soweit noch recht einfach.

Der Blogger tippt sich also einen Wolf um sich verbindlich für die Bewerbung zu qualifizieren und ein paar Kröten als Gegenleistung zu erhalten. Dann kommt das große Orakel hinter Trigami und bewertet die Bewerbung. Im günstigsten Fall bekommt man den Zuschlag und muss unter bestimmten Kriterien in einer definierten Zeit eine definierte Rezension schreiben. Soweit auch recht einfach.

Im ungünstigen Fall hat man seine Zeit für die Recherche eines fadenscheiniges Produkt von Firma XY verschwendet und kassiert absagen wie:
* Dein Blog wurde vom Kunden als nicht passend eingestuft. (Ja ne, is klar. Warum hab ich mich auch mit Schlagworten und Beschreibung vorgestellt.)
* Es haben sich mehr Blogger beworben als das Budget umfasst oder Dein Blog wurde vom Kunden als nicht passend eingestuft. (Ähnlich wie im ersten Fall.)
* Begründung des Kunden: Budget aufgebraucht (Samma Leute, könnt ihr nicht definiert planen? Ach stimmt ja, ich arbeite ja für umme.)
* Begründung des Kunden: Kampagne zurückgezogen (Wie jetzt? Erst heiß machen und dann fallen lassen?)

Diese Begründungen gibt es in mannigfaltigen Ausführungen und sagen nur nett. Schön das du dich sinnlos beworben hast, wir können nämlich nicht lesen und lassen erstmal alle Deppenblogger eine Bewerbung schreiben und wählen dann willkürlich einen Deppen aus, der eine Lobeshymne auf uns schreibt! Und wehe nicht, dann gibts nämlich Ärger und du bekommst keine Piepen. Also Lobe uns, auch wenn es nicht deine Meinung ist!

Des weiteren wird Trigami immer dreister - früher (also Anfang/Mitte 2007) wurden noch vernünftige “Partnerschaften” geschlossen und man konnte ehrlich seine Meinung schreiben. Dann kam irgendwann Google und sagte: Wer mit solchen Leuten arbeitet, denn stufen wir mal auf Pagerank 0.

Ja ich muss zugeben, ich hab mich auf kaufen lassen. War aber für nen guten Zweck, bin ja Student. :-) (Ok, ist keine Ausrede.)

Doch Trigami entwickelt sich immer mehr zu einer Pseudo-Produktbewertungsmaschinerie und ich muss dem DonAlphonso immer mehr recht geben. Seit neusten können Kunden jetzt eine berechtigte Kritik oder unschöne Schreibe einfach Wegbewerten. Wo bleibt da noch die “freie” Berichterstattung?

Zitat Blogbar:
Wünscht ein Kunde jedoch eher Werbung im Sinne von höherer Inhalts-Kontrolle, wird er mit unseren bisherigen Produkten leider noch nicht bedient. Diesen Umstand haben wir nun geändert, indem wir das neue Produkt Publications entwickelt haben. Eigenschaften: Der Kunde kann den gesamten Inhalt oder nur einen Teil davon exakt festlegen (z.B. aus einer Pressemitteilung oder Stellenausschreibung)

Ich hab mich jetzt jedenfalls ausgeklingt. Keine nervigen Mails mehr mit Bewirb dich jetzt für Auftrag XY, keine fadenscheinigen Absagen auf abgegebene Bewertungen mehr, kein SPAM! Danke, ich bin raus.

Comments

7 Responses to “Und Tschüss Trigami”

  1. olli on Januar 27th, 2008 3:14 15

    du willst mich nicht ernsthaft erzählen, dass du vor der zusage eine recherche vollziehst, wenn denn hast du selbst schuld.
    das man die beweggründe hinter den kulissen nicht immer nachvollziehen kann, ist bei so ziemlich jedem anderen dienst ähnlich. sei es linklift, captain ad etc. die dienste lässt du aber zu, bekommst beschissenere bezahlung aber keine mails. ok?!

    wenn man denn diesen blog auch praktisch nicht mehr führt, brauch man sich auch nicht wundern, wenn man kaum was von trigami erhält. alle 2 monate erscheinen ein paar fotos und von content kannst du hier kaum noch sprechen.

    deine kritik kann ich in sofern nicht verstehen, weil du sie hier führst, wo nichts mehr geht. das du da alt aussiehst und dich eher genervt fühlst kann ich zwar bedingt verstehen. aber denk mal drüber nach was eine konditorei, die bei trigami nen auftrag aufgibt und sich denn deinen blog anguckt denkt. seit wochen keine beiträge und/oder kommentare, denn können die ihr geld auch lieber in die kaffeekasse der angestellten werfen, die folgende mundpropaganda ist besser als hier!

    nimm das nicht persönlich, ist nur meine meinung dazu, wenn du meinst die diskussion hier anzustreben! ;)

  2. Christopher on Januar 27th, 2008 3:21 15

    Den Ball kann ich dir aber direkt zurückgeben. Du bringst massenhaft (genau wie ich, teilweise zweifelhaften Gooship Content) und bekommst dafür mehr Aufträge via Trigami?

    Hast du schon mehr als 10 Rezensionen geschrieben?

    Mich nervt weniger die Frequenz der Arbeit, mehr die Praktiken die dahinter stehen. Und am Anfang war es wirklich ok, dass habe ich auch so geschrieben.

    Doch jetzt mehren sich “unseriöse” Angebote, die fragwürdige Ziele haben und zusätzlich werden die AGBs gegen den Schreiber ausgeweitet.

    Es macht für Trigami keinen Unterschied ob du sinnvoll etwas zum Thema bringst oder einfach nur Copy&Paste machst. Hauptsache du redest nicht hart dagegen. Die das machen fliegen bzw. können runtergewertet werden.

    Für mich war das Aus die Summe der Einzelaktionen. Teilweise weil ich selber keinen Bock drauf habe und teilweise die Praktiken die dahinter stehen. Persönlich tangieren mich jedoch die Praktiken immer mehr und die Konsequenzen die daraus entstehen.

    Und die Posting-Frequenz auf diesem Blog hat zum Teil andere Gründe (hatte ich dir auch schonmal erklärt).

  3. Malte on Januar 27th, 2008 8:10 20

    Seit wann muss man denn einen Wolf schreiben um sich zu bewerben? Ich habe noch nie mehr als einen halben bis zwei Sätze geschrieben und bin in 2/3el der Fälle zugelassen worden.
    Aber Trigami-Aufträge würde ich heute nicht mehr schreiben, man macht sich damit einfach zu viel kaputt.

  4. Christopher on Januar 27th, 2008 9:20 21

    Also bezogen auf die Menge meiner geleisteten Bewerbungen und die Rücklaufquote habe ich mir einen Wolf geschrieben. Und ja, ich habe teilweise 200+ Wörter in die Bewerbung gepackt.

    Das ist genau der Unterschied den ich meine. Man setzt sich ernsthaft mit dem Thema auseinander und erläutert seine Beweggründe etwas schreiben zu wollen und es ist Trigami/den Kunden egal.

    Nichts gegen dich Malte, aber wenn ich dann sehe das 1-2 Sätze ala “Ich will den Job.” (Unterstellung meinerseits) ausreichen um den Auftrag zu bekommen, dann läuft in diesem System etwas grundverkehrt.

    Und letztendlich muss ich dir zustimmen, man macht sich mehr durch “dieses Bloggen” kaputt als man gewinnt.

  5. olli on Januar 27th, 2008 10:26 22

    Ich nehme mich da auch nicht raus und lasse mich mit recht Trigami-Hure nennen, denn wenn das System schon so ist… Mein Katzencontent erreicht täglich ungefähr knappe 50 Leute, wovon nur ein Teil des Contents wahr genommen wird, ein anderer Teil später nicht mal von mir verstanden wird und da kommen wir auch schon zum Punkt. Blogger nehmen sich oft viel zu ernst und ich sehen meinen Blog eher als Müllhalde für meinen Quatsch.

    Wenn denn ein System mir, bei einigermaßen Content und entsprechener Frequenz (wobei man natürlich die Bots etc. mitzählt) mir das Geld für wirklich wenig Arbeit nur förmlich um die Ohren schmeißt, ist daran nichts verwerflich.

    Ich sehe nicht mehr die heiligen Hallen des Bloggens, wobei Bloggen trotzdessen ein starkes Instrument ist. Aber neben all den Spongos, die noch schlimmeren Content als ich produzieren (und da gibt es wahrlich viele von) kann man die 53€ für 300 Wörter ruhig einstreichen, alles andere wäre dumm und wo wir dabei sind, wer ließt den Scheiß schon? :)

    Die scheiß Machenschaften im Hintergrund interessieren mich ehrlich nicht. Zwar lehne ich aus Überzeugung EnBW ab, aber wenn Firma XY 27€ für kopieren eines vorgefertigten Textes springen lässt… Linklift zahlt mir nur 2€ (im Monat), wenn man das mal grob vergleicht!

    Ich werfe eh bald alles um und werde entsprechend dazu in meinem Blog publizieren, mal schauen was dabei rum kommt. Generell gilt, Web 2.0 ist Teufel und viele nehmen sich viel zu ernst! :D

  6. Christopher on Januar 27th, 2008 11:08 23

    WORT!

  7. Trigami-Publications widerlich and things? | dpetereit.de on Januar 27th, 2008 11:42 23

    [...] Bei den „Publications“ handelt es sich um ein Konzept, ähnlich den redaktionell gestalteten Textanzeigen, die man aus Tageszeitungen und Wochenmagazinen bereits seit Jahrzehnten kennt. Interessanterweise gilt diese Anzeigenform dort als etabliert. Bietet nun Trigami ein identisches Produkt, so ist das „widerlich“ und ein Teil, der sich gern als intellektuelle Elite betrachtende Blogosphäre überschlägt sich vor Ekel. [...]

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